10 Tage lang im Schweigekloster

10 Tage lang im Schweigekloster

Die Wohnwagentür ist mein magisches Tor zur Außenwelt. Es liegt wortwörtlich in meiner Hand, sie zu öffnen oder zu schließen und es gibt täglich Momente, in denen ich die geschlossene Türe genieße und brauche.

Mein Blick schweift aus dem Fenster, als Peter und die Kinder nicht mehr in Hörweite sind, was gefühlt alle 100 Jahre passiert und ich lasse mich ein. Ich lasse mich gehen. Ich spüre, nehme wahr, brauche nichts als den Moment.

Der Himmel leuchtet hellblau und die strahlende Sonne tut meinem Körper so unfassbar gut, weil ich Kälte und Dunkelheit nur schwer ertrage.

Ein Vogel singt ganz in meiner Nähe sein Lied und kleinere Vöglein zwitschern vergnügt den Frühling herbei.

Die grün bestückten Bäume gefallen meinen grünen Augen und lassen sie vor Freude glitzern.

Ja, der Moment der Entspannung gelingt mir ziemlich gut und es passiert, was passieren muss: Meine Finger beginnen, noch bevor ich es bewusst kapiere zu kribbeln und bewegen sich in Richtung Laptop.

 

Ich kann und will nicht anders. Das Schreiben ist mein Leben. Vielleicht ist es das, wofür ich geboren wurde!?

Habe ich eigentlich schon mal erzählt, dass ich vor vielen vielen Jahren in einem Schweigekloster war und was das mit der Schreiberei zutun hat?

10 Tage lang die Klappe halten, entspricht so ca. 0,0% meines Naturells und ich hatte so manche inneren Kämpfe in dieser Zeit.

10 Tage lang morgens um vier Uhr aufstehen, die wahnsinnig müden Augen aufreißen, den Oberkörper Richtung Decke zwingen und den Fokus auf eine einzige Sache richten: Bloß nicht einpennen!

Meditieren ist sowieso das Stichwort. Von den frühen Morgenstunden an bis zum Abend habe ich nichts anderes als das getan und nur für kurze Mahlzeiten und den Gang aufs Klosett unterbrochen.

Keine Ahnung, ob du schon meditationserfahren bist oder nicht, aber lass dir eins gesagt sein:

In den ersten drei Tagen habe ich unter einem Baum sitzend auf die Erleuchtung gewartet, in den darauffolgenden 5 Tagen war mir einfach nur kotzübel, denn der ganze Rotz der letzten Jahre hatte sich erfolgreich durch die Magenwand gebohrt, und in den letzten zwei Tagen der „Meditationsreise“ hätte ich mich selbst als irre bezeichnet, weil ich diesen kaum bezwingbaren Drang nach quatschen nicht nachgeben durfte.

Nein, ich wollte nicht nur quatschen, ich wollte RAUS. Wegrennen. Wegsehen. Davonsprinten.

Weil ich diese tiefen Themen der Verzweiflung, Hilflosigkeit, der Ohnmacht, der Verletzung und der Scham nicht mehr ertragen habe.

Nun gut, zurück zum Punkt. Ich habe dir nämlich noch gar nicht verraten, dass ich alle meine Sachen am Eingang der (heilenden) Hölle abzugeben hatte. ALLE, nur damit wir uns richtig verstehen.

Kein Handy, kein Porteponnaie, keine Ablenkung. Lediglich meine Klamotten durfte ich behalten.

Doch ich will dir etwas sagen und bitte sag es niemandem weiter. Ich habe die Regel fast eingehalten.
Ich habe wirklich alles abgegeben, bis auf eine einzige Sache. Rate mal welche!

Richtig! Einen Bleistift!

Das Handy..war mir scheißegal. Das Porteponnaie.. völlig Wurscht. Selbst das Zugticket nachhause.. ging mir am Hintern vorbei.

Aber Hauptsache ich hatte einen Stift in meiner Hosentasche versteckt!

Nun gut, wirst du dich fragen, was bringt ihr ein Stift ohne Zettel?

Und du hast Recht, ich hatte kein Papier. Aber ich war einfallsreich. Stichwort: Klopapier.

Ob die Mitarbeiter des Zentrums sich wohl über den hohen Verbrauch gewundert haben?

Ich habe keine Ahnung. Aber was ich weiß ist, dass ich wirklich viel dafür geben würde, meine Finger zu erhalten. Ich kann nicht ohne.

Das Schreiben ist meine Essenz, es macht mich innerlich frei, reinigt Prozesse, in denen viel Scheiße aufgewühlt wurde, klärt meine Sicht auf die Kuriositäten des Lebens und die Fragen des Lebens auf eine angenehme Art& Weise.

Ja, ich lebe dafür! Und ich würde mein letztes Hemd dafür geben, dieser Leidenschaft nachgehen zu dürfen!

Aber weißt du, was mein Herz so richtig zum Toben bringt? Weißt du, wann ich innerlich weinen könnte? Weißt du, in welchen Momenten meines Lebens die Dankbarkeit Einzug erhält?

Wenn DU da bist. Mein treuer Leser! Meine treue Leserin (um es richtig zu gendern)!

Und als ich letztens auf die Zahlen meiner Beiträge geschaut habe und sah, dass sie 4-stellig sind, da ist meine Brust beinah in 2486316 Stücke explodiert und zu DIR geflogen!

Da habe ich zum ersten Mal so richtig realisiert, dass meine Briefe ans Leben nicht nur für mich sind, sondern auch dir „etwas geben“.

Und dafür, dafür dass du dir mitnimmst, was dich anspricht, danke ich dir von Herzen!

Denn wenn ich etwas in der Welt bewegen möchte, dann, dass es anderen Menschen genauso gut geht wie mir!

Chapeau, mein*e treue*r Leser*in! Drenk doch eene mit, wie wir im Rheinland sagen!

Oder einfach nur klassisch: PROST- auf dich, auf mich, auf uns!

Schön, dass es dich gibt!

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich kann dich nur zu gut verstehen. Was wäre der Maler ohne die Betrachter seiner Bilder, der Musiker ohne Zuhörer, der Bäcker oder Koch ohne Genießer, der Zimmermann, der Schreiner, der Kunstschmied und und und . . .
    Wir alle brauchen uns gegenseitig, so sind wir Menschen, und nicht nur wir. Alles ist eins…
    Liebe Grüße und danke für deine Schreibe
    Johannes

    Antworten
    • DU weißt, wovon du sprichst 😊😉🎼🎶
      Ja, wir brauchen uns gegenseitig und wir sind dafür geschaffen, uns alleine durch alles zu kämpfen.
      Das Leben geschenkt uns mit Menschen und das nicht umsonst 🙏💛

      Antworten

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