Der beste Stellplatz mit dem Wohnmobil in Kalabrien

Brucoli ist Vergangenheit.

Nachdem ich den letzten Reisebericht geschrieben habe, sind wir zwei Tage später sehr kurzfristig aufgebrochen.Lamezia Thereme in Kalabrien, heiße Schwefeltherme Anton hatte den Wunsch nach Baden in der Terme schon öfter geäußert und die Sonne verließ uns einen Tag später eh, sodass wir uns von dem kleinen Fischerdörfchen verabschiedeten und nach Messina zur Fähre fuhren. Dort angekommen ging es eine halbe Stunde lang übers Wasser, immer mit Blick auf das Festland. Die Überfahrt war sehr ruhig und angenehm, die Jungs freuten sich über die riesigen Bildschirme, auf denen Tom&Jerry in Endlosschleife lief und ich spürte, dass wir in die richtige Richtung fuhren. Am Hafen angekommen, legte das große Schiff sicher an und wir fuhren gleich los Richtung Caronte, dem Ort an dem die heiße Terme auf uns wartete. Die Tour war angenehm, die Kinder waren gut gelaunt und die Sonne schien durch unsere Fenster. Sicher erreichten wir unser Ziel und freuten uns, dass es neben anderen Wohnmobilen noch einen guten Platz für uns gab. Leider zeigte Karl-Heinz uns mal wieder, was er von langen Fahrten hielt mit einem platten Reifen, aber davon ließen wir uns nicht die gute Laune vertreiben.

Kostenloser Stellplatz mit 39°C beheiztem Außenpool – ein Geheimtipp in Kalabrien

Das Wasser tat so gut. Jarek übte sofort weiter schwimmen und auch Anton gab alles. Er kann jetzt unter Wasser tauchen und hatte nach jedem Termenbesuch rote Augen und sah aus wie ein kleiner Krebs. Die Tage vergingen mit arbeiten und baden. Eines Abends saß ich in unserem Wohnmobil und alle anderen schliefen bereits, als ich von draußen Kinderstimmen wahrnahm. Ich schrieb gerade mit meiner Mutter WhatsApp und als ich aus dem Fenster schaute, sah ich eine Frau mit drei jungen Kindern. Es war schon dunkel, deswegen erkannte ich sie aus der Ferne nicht genau. Aus Quatsch schrieb ich meiner Mutter eine Nachricht: Hier läuft grade eine Mama mit drei Kindern rum. Entweder Italiener oder Freilerner (die ja oftmals dafür bekannt sind, ihre Kinder länger auf zu lassen). Und tatsächlich, als sie näher kamen erkannte ich sofort unsere Bekannten aus Leipzig. Eine Familie mit vier Kindern. Sie reisen in einem alten Feuerwehrwagen durch Europa und nachdem wir uns per Email über unsere Standorte ausgetauscht hatten, waren sie innerhalb von zwei Tagen bei der Terme angekommen. Wir quatschten kurz und ich freute mich, dass auch unsere Kinder endlich mal wieder Kinderkontakt haben würden, obwohl sie nie danach gefragt hatten.

Lamezia Thereme in Kalabrien, heiße Schwefeltherme
Jarek liebt es, ins Wasser zu springen

Die kommenden Tage spielten die Kinder zusammen. Sie fuhren Fahrrad, besuchten gemeinsam die Terme, stritten und vertrugen sich wieder, Jarek entdeckte seine Liebe zum Longboard und Anton erzählte permanent von seiner Freundschaft mit dem fast gleichaltrigen Mädchen der Familie. Wir aßen gemeinsam zu Mittag, erzählten und unterhielten uns über verschiedenste Themen. Ich war froh, mal wieder deutschsprachige Menschen im gleichen Alter zu treffen. Da sie einen kleinen, agilen Sohn dabei hatten, der von der Straße magisch angezogen wurde, entschieden sie sich nach einer Woche hinterherlaufen, einen Platz am Strand zu suchen. Wir wollten dort noch eine Weile gemeinsam stehen, trennten uns jedoch an der Terme um verschiedene Besorgungen zu machen und fanden uns leider nicht wieder. Am Ende standen wir 40 km weit in die andere Richtung und da wir nordwärts und sie südwärts fahren wollten, stimmten wir ab und entschieden uns, weiter Richtung Montalto di Castro in den Norden zu fahren.

Am Abend ging die Fahrt weiter. Ich saß am Steuer, Jarek neben mir und die anderen drei hinten, wobei Anton und Johanna nach kürzester Zeit einschliefen. Wir unterhielten uns schön und irgendwann machte auch Jarek die Augen zu und schlummerte in eine Decke gekuschelt, ein. Ich fuhr noch 250 km an dem Abend. Zwar war ich müde, wusste aber, dass dies der beste Moment war um eine große Strecke zu fahren, da die Kinder schliefen. Um halb elf abends kamen wir irgendwo auf einem Parkplatz an und schliefen sofort ein.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit warmen Sonnenstrahlen, einem Baby, welches ununterbrochen zu laufen übte und gut gelaunter Allgemeinstimmung. Wir hatten noch 400km vor uns. Diesmal setzte Peter sich ans Steuer und als wir nach ca. 100 km auf der Autobahn fuhren, passierte uns etwas, womit wir nicht gerechnet hatten.  Da es uns danach unmöglich war, weiter zu fahren, schliefen wir eine Nacht an einer Tankstelle. Ich zweifelte an mir und unserer Reise, fragte mich, ob das nicht das hirnrissigste sei, was mir jemals als Gedanke kam, ob ich meinen Kindern nichts besseres bieten könne als ein ständig kaputtes Auto, welches wir unser Zuhause nennen wollen und warum die LKWs neben uns, die ganze Nacht lang ihren verdammten Motor anlassen mussten. Natürlich regnete es auch noch, aber unsere Kinder konnten ja eh nicht raus wegen dem Verkehr. Die Nacht war laut und der nächste Morgen irgendwie auch nicht besser. Die Situation strengte mich an und ich hatte einfach keinen Bock mehr auf Karl- Heinz. Sorry Karl-Heinz, es reicht jetzt einfach!

Lamezia Thereme in Kalabrien, heiße Schwefeltherme
Sonnenuntergänge wie diese…

Naja, nachdem wir dann den anderen Reifen durch einen Neuen ersetzt hatten und das komische Geräusch endgültig weg war, sind wir weitergefahren und haben die restlichen Kilometer an diesem Tag zurück gelegt. Zwar fanden die Kinder das zwischendurch nicht sehr prickelnd, aber als wir sie fragten, ob wir anhalten sollen oder aber lieber unsere Bekannten auf dem Stellplatz treffen wollen, fiel die Antwort sofort auf Sigrid und Jan und sie rissen sich zusammen, sodass wir in der Dunkelheit am späten Abend sicher unser Ziel erreichten. Am kommenden Tag kam dann eins zum anderen. Unser Auto war ohne Mucken gefahren, dafür hatte man uns bei der deutschen Kindergeldstelle mitgeteilt, dass wir leider keinen Anspruch mehr auf Kindergeld hätten und deswegen die Zahlung eingestellt wurde. Es war bereits Mitte März und wir zählten auf die Kohle. Ich konnte es nicht fassen. Wir fies kann man eigentlich sein? Da drehen sie uns den Geldhahn komplett zu und informieren uns nicht mal. Ich hätte sie durchs Telefon….. lassen wir das. Wir regelten dann soweit alles, was möglich war und hoffen jetzt auf eine zügige Bearbeitung. Soviel zu Wir machen nur Urlaub! Manchmal ist es zum Mäuse melken und während ich diese Zeilen schreibe, muss ich einige Male durchatmen. Nachdem wir uns dann mit Erspartem versorgt hatten, ging es mir und meinem Konto auch wieder besser und ich konnte mich beruhigen. Wer schon mal in einer ähnlichen Situation war, wird wissen was ich meine. Wir hatten noch ganze 10 Euro bar und keinen Cent mehr auf dem Konto. Unser Kühlschrank war komplett leer, die Wäsche häufte sich und der Tank hatte uns gerade so zum Stellplatz gebracht. Für einen halben Tag lang verlor ich mein Vertrauen und wurde dann wiedermal eines Besseren belehrt, denn die Bank hatte unverzüglich das Ersparte überwiesen und meine Familie uns sofort Hilfe angeboten.

Seit diesen Tagen in Aufruhr und Not sind nur wenige Tage vergangen und nun kann ich mich wieder entspannen. Ich sitze hier in unserem kleinen Garten und lasse den Wind durch meine Haare wehen, während die Sonne mir auf den Körper scheint. Eben habe ich mit Jarek zusammen gekocht und Johanna in den Schlaf gestillt. Anton hat heute Morgen ewig Lego in der Sonne gebaut und Peter hat gearbeitet. Gerade geht es mir sehr gut. Karl- Heinz kann ja auch nicht viel anstellen, wenn er einfach zu stehen hat. Unsere lieben Nachbarn und

Lamezia Thereme in Kalabrien, heiße Schwefeltherme
Dream Team

Bekannten hatten uns Essen aus der Stadt mitgebracht und wir genossen unser Mittagessen draußen. Hier fahren kaum Autos herum, das Meer ist nur wenige hundert Meter entfernt und die Jungs können an diesem Platz gut Lauf-Rad fahren. Der Sand ist von der Sonne aufgewärmt und gibt Kraft und Energie. Jeden Abend kommt ein kleiner zutraulicher Fuchs an unser Wohnmobil und hofft auf Futter. Johanna läuft ohne Pausen barfuß über den Schotter und ich genieße die mich umgebende Ruhe so sehr. Wann wir weiterfahren ist unklar. Wir lassen uns treiben und versuchen, uns keine Pläne zu machen. Das Leben ist zu kurz für behindernde Strukturen und Kopfkino. Eine Aufgabe, die ich immer wieder aufs Neue lernen darf. Was ich jedenfalls zu schätzen weiß ist, dass ich unglaublich glücklich bin, darüber, dass wir alle gesund und munter sind! Und wenn ich dann noch eine gute Platte auflege, sehe ich die Dinge gelassener und kann mich den Herausforderungen anders stellen. Geht es euch auch so? Musik ist doch was Tolles, stimmts?

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ein toller Bericht. Vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße vom Conntrip.com Team

    Antworten
  • Dr.Zschornack
    22. März 2017 14:09

    Der Anfang meiner Antwort-mail ist abgestürzt. Deshalb jetzt noch paar Worte. Wenn Katharina in allem so fleißig ist, muß ich mir keine Gedanken machen um Euer Fortkommen und Wieder-heimkommen.
    Ja, Musik ist…ja wie denn eigentlich ? Worte reichen nicht, sind wie zu knapp geschneiderte Hosen. Könntest vielleicht einen Beruf draus machen, Katharina. Vor allem bemerkenswert für mich ist, wie weit beim Erinnern und Fühlen junge Leute und die Alten (wir) auseinander sind dank (?) Leben. Stichwort „Leben“ : Habe versucht, es zu definieren (also nicht nur zu beschreiben). Gelang nicht. Warum wohl ? So ein Thema meiner Alters-Liebhaberei (philosophisches Denken). Denken ist vor allem richtige Fragen stellen und definieren- auch sich selbst. PRECHT : „Wer bin ich und wenn ja wie viele ?“ Geniale Frage, vermutlich für Viele kaum verständlich.
    Sah heute im TV eine sehr bemerkenswerte Sendung, in der Eva Hermann ihren Wandel von der TV-Karrierefrau zur mütterlichen Frau beim Stillen ihres ersten Kindes (Jetzt 18) beschrieb und abschließend sehr heftige Fragen an unsere damalige und jetzige Polit-Hierarchie stellte . Mutter-Kind-Beziehung in den ersten Jahren und heute übliche Missachtung zwecks „Karriere“. Die Sendung ist zu finden auf Youtube.com/ unter den dort angebotenen zahllosen Vorträgen, Debatten und Dokumentationen.
    „Freilernen“ – interessante Vokabel und sehr stimulierend, zum Denken eben. GOETHE wuchs auch ohne Schule auf. Kam daher seine Vielfalt ? Entwicklung von Spiel und Ernst ungebremst ?
    Also schaut und genießt nicht nur ! Denken ist auch was ganz Besonderes. Hat man immer bei sich.

    Kann ich Dir/Euch nur sehr empfehlen. Beantwortet mir vor allem auch meine Fragen zum Einwanderungskonflikt

    Antworten

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