Ich sterbe beinah vor Sorgen um mein Kind!

Hier sitze ich also auf dem grauen Liegestuhl in Leipzigs Gärten.

Deutschland hat uns wieder, völlig ungeplant und so gar nicht gewollt!

Du hast schon recht wenn du jetzt denkst: Hä? Wieso müssen sie denn nach Deutschland? Sie sind doch abgemeldet und haben keine Pflichten mehr!

Weißt du, manchmal spielt das Leben eine andere Partie Schach als ich es mir je gewünscht hätte.

Lass uns einmal vier Wochen zurück spulen.

Es ist Anfang Juli, wir sind seit einigen Tagen im Herzen von Kalabrien angekommen und unser Wohnwagen steht an einem Ort, der schöner nicht hätte sein können.

Große Berge mit nur wenigen Häusern drauf, sowie breite Waldlandschaften perfektionieren den Blick meiner „Terrasse“.

Ich kann gar nicht genug davon bekommen, hier zu sitzen und den lauen Wind um meine Ohren zu spüren, während meine Gedanken sich zeitlos hin und her bewegen.

Wie wunderschön es hier ist und gar nicht so heiß wie befürchtet!

So vergehen die Tage, gefüllt mit Familienzeit, Arbeit am Laptop, den Vorbereitungen für das Festival und Entspannung im Schatten der Felsen, welche aus dem lauwarmen Meer herausragen.

Alles scheint perfekt, bis eine Sache passiert, die mich völlig aus den Angeln hebt!

Der mückenübersäte Körper meines Kindes beginnt zu schwellen, die Stiche werden von Tag zu Tag härter und herunterlaufendes Blut fließt nicht selten seine Beine hinunter.

Anfangs denke ich mir nicht viel dabei, sind wir Mückenstiche doch mehr als gewohnt!

Doch nach einigen Tagen, als ich die Heftigkeit der Einstiche bemerke, werde ich unruhiger.

Ich beginne, mich zu belesen und da ploppt mit einem Mal die Tigermücke auf.

„Kann Malaria übertragen!“ steht auf der Seite geschrieben.

Doch noch bevor ich die Symptome dieser Krankheit zuende lesen kann, pingt mein Handy und zeigt mir eine neue Nachricht im Gruppenchat der Community an.

Dort finde ich ein Bild von einem Jungen, der eine eitrige Entzündung an seinen Beinen hat. Das Foto lenkt mich von den Tigerviechern ab.

Keine drei Tage später, bilden die ehemaligen Mückenstiche meines Kindes prompt die selben Eiterblasen, wie bei dem Jungen im Chat.

Der Besuch beim italienischen Arzt bringt einzig und alleine eine Diagnose, Impetigo/ Borkenflechte und die dazu passende antibiotische Salbe hervor, auf deren Anwendung wir vorerst verzichten.

Die Vermehrung der Eiterbläschen steigt rasant an. Ich kann zusehen, wie sich mini Stiche in große Wunden entpuppen und in alle Richtungen sprenkeln.

Die Vermehrung der Bakterien läuft in vollem Gange und die Fläche der eitrigen Haut nimmt exponentiell zu. Ebenso meine Sorgen!

Peter und ich geben unser bestes- Kieselgur, Zinksalbe, der tägliche Cocktail an bioverfügbaren Vitalstoffen, ganz viel Liebe und Nähe und eine möglichst gesunde Ernährung stehen jetzt auf dem Tagesplan.

Die Versorgung der Wunden strapaziert zunehmend meine Nerven, die ansteigende Hitze und Temparaturhöhepunkte von 36 Grad im Schatten, geben mir den letzten Rest.

Und auch mein Kind leidet immer stärker unter dem Schweiß, der Isolation aufgrund der Infektionsgefahr und dem wenigen Freiraum, den wir ihm gerade schenken können.

Zudem breitet sich parallel dazu in der gesamten Region eine weitere „Seuche“ aus- Ringelflechte!

Kreisrunde Kringel auf der Hautoberfläche, die jucken und zugleich brennen wie der Tod!

Ein weiteres Kind und ich sind innerhalb weniger Tage davon betroffen und während ich Miss Universe frage, warum wir nicht verschont bleiben, sprühe ich die Wunden mit kolloidalem Silber ein und mixe weitere Cocktails für alle Immunsysteme meiner Familie.

Die Wunden eitern derweil weiter, mein Kind verlangt nach Spielzeit mit seinen Freunden und die täglichen To do´s des Wohnwagenlebens fordern mich bis aufs Letzte heraus, sodass jeder Gang an den Wasserhahn zur Last wird.

Peter und ich wägen unsere Möglichkeiten ab!

Eine Freundin bietet uns eine Ferienwohnung für n Appel und n Ei in der Nähe an. Doch vier bis sechs Wochen lang irgendwo in den Bergen hausen? Und das ganze ohne Balkon oder Garten und mit dem Verbot, das Meer zu betreten (weil es um diese Jahreszeit zu schmutzig ist, wenn die Haut bereits lädiert ist)?

Das können wir unseren Kindern nicht antun! Zumal wir auch glückliche Kinder brauchen, um genügend Zeit zum arbeiten zu haben.

Prompt erhalten wir eine weitere Option: Ein Stellplatz auf einem Campingplatz, direkt am Meer!

Klingt erstmal verlockend, doch was bringt uns der weite Ozean, wenn sein Wasser unsere Haut nicht berühren sollte?

Zudem liegt der Platz direkt an der Bundesstraße und schenkt viel zu wenig Raum, um sich als Kind zu verwirklichen.

Weitere Optionen fallen nicht mal ansatzweise auf die Liste der Möglichkeiten. Vor Ort bleiben ist selbstverständlich auch keine Option!

Und da kommt mir auf einmal der Gedanke ans kühle Deutschland!

Und wenngleich alle Systeme in mir dagegen rebellieren, so muss ich mir selbst eingestehen, dass Deutschland auf meiner Liste leider auf Platz 1 steht!

Das Klima, der Freiraum im Haus der Schwiegereltern, die Oma und Opa Energie, die Abgrenzung zu anderen Infizierten und die Möglichkeit, ohne Schweißperlen zu arbeiten, locken eine zarte Frage in Richtung meines Mannes heraus.

Doch Peter ist gänzlich dagegen nach Deutschland zu fahren! In ihm reagiert alles mit Widerstand!

Seine Erklärungen klingen durchaus plausibel für mich und ich finde mich damit ab, dass Deutschland keine Option für uns ist.

Die Tage vergehen. Wir schwitzen wie die Stiere. Die Nächte im Wohnwagen sind trotz Ventilator nur schwer erträglich und unsere Kinder wachen eines Tages mit einer fetten Erkaltung auf.

Mir wird alles zuviel! Mein ganzer Körper verfällt mit einem Mal in Panik und ich esse zwei Tage lang kaum, weil ich vor Sorgen um meine Drei beinah durchdrehe.

Die Eiterblasen wachsen und die Mückenstiche nehmen trotz Maßnahmen zu.

Und dann breche ich zusammen: Ich weine, fühle mich zutiefst unwohl und verloren. Diese Hilflosigkeit in den Tiefen meiner Zellen fördert Erinnerungen zutage, an die ich nun nicht auch noch denken will!

Also greife ich zur antibiotischen Salbe, denn trotz Nachfrage in der Apotheke, scheint es keine andere Lösung zu geben.

Ich schmiere, die Wunden bilden endlich Grint. Ich atme wieder auf.

Doch meine Erleichterung ist schnell vorbei, denn die Blasen verlagern sich einfach auf andere Körperteile.

Mein Panikmodus läuft auf Hochtouren!

Wie gerne würde ich meinem Kind diese scheiß Dinger abnehmen und sie an meinen Körper klatschen!

Wir setzen die blöde Salbe nach drei Tagen wieder ab und ich beginne, endlich wieder einen Zugang zu meiner mütterlichen Intuition zu gewinnen.

Meine Intuition sagt mir ganz klar, dass Deutschland für unsere Kinder das beste Heilungsfeld bietet, welches wir gerade bekommen können.

Peter telefoniert direkt mit seinen Eltern und wir beginnen kurzerhand mit packen, sortieren, aufräumen und abbauen, um noch am selben Abend gen Deutschland zu starten.

Die Uhr schlägt 19 Uhr, als wir alle fünf im Auto sitzen und auf die Bundesstraße Richtung Autobahn, ohne Wohnwagen, starten.

Der Abschied fällt uns schwer, schenkt uns das Meer an diesem Abend einen besonders schönen Sonnenuntergang, der mit lilanen und roten Himmelsstreifen die Schönheit dieses Ortes präsentiert!

Und dann treten wir das Gaspedal voll durch. 19 Stunden brettern wir über die kostenfreien und kostenpflichtigen Straßen gen Norden und nach einer durchgemachten Nacht, halten wir nur morgens kurz beim Supermarkt, um Frühstück für die ganze Familie, sowie frisches Wasser zu organisieren.

Unser Ältester bekundet abermals, wie sehr er die österreichische Landschaft liebt und schmiedet Pläne für die Zukunft, wenn er alt genug ist, sich seinen Wohnort selbst auszusuchen.

Begrüßt werden wir mit einem ausgiebigen Mahl bei den Schwiegereltern, für das wir an diesem Tag ganz besonders dankbar sind.

Und so leben wir hier, seit ein paar Tagen.

Wir pflegen unsere Kinder und uns selbst und kommen innerlich endlich zur Ruhe. Die kühle Luft im Haus tut uns unfassbar gut und auch die Kinder regenerieren sich Schritt für Schritt.

Zwar sind wir noch nicht über den Berg, aber der Weg an die Spitze ist deutlich leichter geworden.

Eine ganzheitliche Ärztin, sowie eine Heilpraktikerin stehen uns mit Rat und Tat zur Seite und schenken besonders mir die nötige Sicherheit darüber, wie weit wir mit Naturheilkunde noch gehen können.

Ich bin dankbar dafür, mich in meiner Muttersprache unterhalten zu können und die Vorzüge deutscher Naturheilmedizin nutzen zu dürfen!

Und auch wenn ich mir nicht erklären kann, wozu das ganze jetzt notwendig ist, versuche ich, den Dingen seinen Lauf zu lassen und vielleicht in naher Zukunft zu verstehen, warum uns echte Ruhe nicht gegönnt ist!

In diesem Sinne: Gute Besserung an alle Seelen, die gerade im Ungleichgewicht sind!

Eure Katharina

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