Kinderspiel soll man nicht unterbrechen! Es ist heilig!

Es passiert jeden Tag bei uns zu Hause.

Die Kinder wachen auf und noch bevor sie sich umziehen möchten, beginnen sie zu spielen. Das erste was sie morgens brauchen, ist frisches Obst zum Essen. Damit setzen sie sich an den Tisch, schälen beispielsweise ihre Mandarine und spielen damit. Ich weiß, es gibt viele, die sagen Mit Essen spielt man nicht. Ich sehe das etwas anders. Zu Essen ist ein Genuss und das dürfen unsere Kinder auch so erfahren. An Wände schmieren, alles vollspritzen oder ähnliches ist damit allerdings nicht gemeint. Es geht viel mehr darum, aus einem Mandarinenstück ein Schiff zu erträumen, ein Apfelstück als Schaukel für eine Scheibe Banane zu benutzen, welche dann ein Kind auf einem Pferd darstellt. Ich meine damit, Geschichten zu erfinden, die uns Erwachsene nicht in den Sinn kommen würden.

Unsere Kinder sitzen dann hier, reden mit ihren Dingen und zeigen uns ihr Gebautes. Wir Eltern schenken ihnen Aufmerksamkeit und sie verstehen dadurch, dass wir sie gesehen haben. Was wir jedoch nicht tun ist, sie zu loben oder gar zu belohnen.

Warum das Spielen so wichtig für die Gehirnentwicklung ist
Perlenspiele ohne vorgegebene Schabone

Die Absicht des spielenden Kindes, welches einen Erwachsenen an seinem Spiel teilnehmen lässt, ist nicht die Belohnung oder das Lob, sondern eine Ver-Bindung herzustellen. Kinder kommen auf die Welt und sind mit sich selbst höchst zufrieden. Beobachte mal ein Einjähriges beim Spielen, dann wirst du feststellen, dass es ganz mit sich und seinem Spiel zufrieden ist und tief eintaucht, wenn du es nicht störst. Auch das Bedürfnis nach Bindung zu anderen Menschen ist von Beginn an vorhanden. Das ist natürlich äußerst notwendig, denn ohne Fürsorgepersonen gedeiht ein Kind nicht, sondern stirbt. Dieser Urinstinkt ist in jedem Baby vorhanden.

Ich schweife ab. Dieses Thema ist einen eigenen Artikel wert.

Zurück zum Spiel. Unsere Kinder machen also morgens ihre Augen auf und beginnen zu spielen.  Nach dem Frühstück finden sie sofort die nächste Beschäftigung und je nachdem wie unser Tagesplan aussieht, ist es ihnen möglich, in die neue Sache ganz einzutauchen. Sie sitzen dann da, bauen, malen, oder fahren Lauf- Rad, rechnen, kochen oder bauen Sandburgen, stellen Fragen, unterhalten sich mit uns oder oder.

Und niemand von uns Eltern würde auf die Idee kommen, sie in ihrem Spiel zu unterbrechen. Warum nicht?

Weil wir ihnen damit ihre Existenz -und Lerngrundlage nehmen. Das, was das kindliche Gehirn von Natur aus besitzt, ist die lange Konzentrationsfähigkeit in Dinge, die begeistern. Damit meine ich also nicht, von einem Kind könne man verlangen, im Wartezimmer eine Stunde still zu sitzen oder nicht zu reden. Das, was entwicklungsfördernd ist, basiert auf Lust, Neugierde, einer freien Entscheidung und Faszination. Das setzt Glückshormone frei, die eine Aufnahme von Neuem unaufhaltsam machen.

Warum das Spielen so wichtig für die Gehirnentwicklung ist
Pralinen aus Sand

Da kommt es nicht selten vor, dass unser Siebenjähriger stundenlang am Stück Buch liest, Joscha sich ganz ins Malen vertieft und seine Umwelt ausblendet und die kleine Johanna im Fahrerhaus steht und den Zigarettenanzünder studiert. Das ist der Grund, warum Jarek bereits vor der Schule genügend Zeit hatte, lesen zu lernen und andere Kinder dies auch tun. Ist das innere Verlangen vorhanden, stoppen wir es nicht. Das verhält sich mit Allem so. Unser Großkind hat in der Terme Schwimmen gelernt, denn das Bedürfnis, es ebenso zu können wie andere Menschen, war so groß, dass er fast täglich mehrere Stunden in der Terme verbrachte um zu üben. Fast täglich deswegen, weil das Hirn oftmals zwischendurch eine Bearbeitungszeit braucht.

Da kommt es vor, dass das Kind sich monatelang mit Buchstaben beschäftigt und auf einmal scheint es, als wäre das alles uninteressant. Und dann steht man im Laden, nichtsahnend, und auf einmal spricht es von unten Mama, da steht Rapunzel, stimmt´s?

Es gibt für uns keinen einzigen Grund, die Wissbegierde und ihren inneren Drang aufzuhalten, indem wir uns einmischen würden, versuchten, sie in eine andere Richtung zu drängeln, Kommentare abgeben oder ihr Spiel beenden, weil wir jetzt sofort einkaufen gehen müssen.

Dass ich in unserem Alltag schon immer möglichst viel Spielzeit plane, fühlt sich für mich richtig und natürlich an, dass ich für meine Kinder Hunger leide, weil die Vorräte leer sind, allerdings nicht. Das heißt, wenn ich weiß, dass wir an diesem Tag etwas vorhaben, mache ich im Voraus eine Ankündigung. Sie wissen dann, dass wir z.B. nach dem Mittagessen losfahren oder am Nachmittag Besuch bekommen. Das gelingt uns in den meisten Fällen, wenn auch nicht immer, denn unser Leben birgt Überraschungen.

Fühle mal ganz tief in dich hinein, und konzentriere dich auf eine Sache, die dir am Herzen liegt, worüber du noch mehr erfahren möchtest oder etwas, bei dem deine Neugierde groß ist, und stelle dir dann vor, dich mit genau dieser Sache zu beschäftigen. Du sitzt also auf dem Sofa und liest deinen überaus spannenden Krimi oder du bewegst dich in einem großen Raum zur Musik, die in dir sofort wunderbare Gefühle hervorruft oder du stehst in der Küche und kochst Essen auf das du dich schon lange gefreut hast, denn dies soll eine Überraschung für deinen Liebsten/deine Liebste sein. Du tauchst ganz tief ein und nichts könnte grade schöner sein als an diesem Ort im Hier und Jetzt zu verweilen und sich ganz auf das Sein einzulassen.

Warum das Spielen so wichtig für die Gehirnentwicklung ist
Kugelbahnen sind etwas wunderbares

Und dann kommt jemand und reist dir mit einem Mal das Buch aus der Hand, stoppt die Musik oder dein Partner ruft an und teilt dir mit, dass er das Essen vergessen habe und nicht vor Mitternacht zuhause sein wird. Du kannst also alleine essen. Was für eine Enttäuschung! Was für ein Schnitt im Meer des Glücklichseins. Verstehst du, was ich grundsätzlich meine?

Ich rufe deshalb dazu auf: Lasst eure Kinder spielen!

Erlaubt ihnen, sich ohne Zeitvorgabe ganz auf Spiele einzulassen, die von innen heraus geboren werden! Dann könnt ihr sicher sein, dass sie die Gabe nicht verlieren, tief einzutauchen in komplexeste Themen. Auch später nicht, wenn sie erwachsen sind und diese Fähigkeit notwendig sein wird, auch um einen Weg in die Berufswelt zu finden.

Diesen Beitrag teilen:

Das könnte dich auch interessieren:

Unser Leben ohne Schule – Wie bitte, WAS?

Zugegeben, ich bin kein Mensch für smalltalk. Meine kommunikativen Fähigkeiten enden genau dort wo ich merke, dass Langeweile in mir aufsteigt und mein Gegenüber ein Oberflächenkratzer ist, der langfristig am Sinieren übers Wetter, die Probleme auf der Welt und Omas besten Einkochrezepte interessiert ist. Seitdem ich denken kann, wurde ich als (zu) neugierig beschrieben (wieso in Herrgott´s Namen unterdrückt man die natürliche Neugierde eines Kindes?), als diejenige, die kein Blatt vor den Mund nimmt, Dinge gerade raus ausspricht und hin und wieder Wörter wie Scheiße benutzt um deutlich zu machen, dass dies auch genau SO gemeint ist. In der Schule…

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Martin Dr.Zschornack
    12. Februar 2017 17:44

    Liebe Katharina, Du denkst nicht nur Interessantes sondern Du denkest auch schön – „schön“ in mehrfacher Bedeutung.
    Jetzt sende ich Dir nur mein herzliches Dankeschön. Ich antworte nicht sofort. Viele Grüße Martin

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Verpasse keinen neuen Bericht

Wie geil ist Geld!?

Beschwingt laufe ich über den verdreckten Bürgersteig Leipzigs und schwinge meinen roten Jutebeutel von vorne nach hinten und wieder zurück.…

Das könnte dich auch interessieren: