Mediensucht bei Eltern

Ich sitze hier, es ist mittlerweile halb elf abends…

Medienfreies Zusammensein als Familie ist unschätzbar wichtig…und ich nehme mein smartphone in die Hand. Unbewusst tippe ich auf den Bildschirm. Zuerst auf das Symbol fürs Internet, dann auf den eingespeicherten Button von meinem Emailanbieter und im Weiteren erfolgreich auf den login-Knopf. Ich starre auf den Bildschirm- keine ungelesenen Nachrichten vorhanden. Alles wie vor zwei Minuten auch.

Vor zwei Minuten erst? Alter Falter! Eine halbe Sekunde später kapiere ich, dass ich tatsächlich vor zwei Minuten in mein Postfach geschaut habe, am Laptop! Ich klicke das Internet weg, öffne den Laptop erneut und beginne diesen Artikel zu schreiben. Ein spontaner Impuls, der raus gelassen werden will. Bin ich süchtig? Kann ich eigentlich noch ohne? Laptop, smartphone, Handy- mir wird schlagartig bewusst, dass ich viel Zeit vor diesen Dingern verbringe. Meine bevorzugten Seiten wie facebook und mein Postfach, öffne ich in der Regel mehrmals täglich. Würde es nicht auch reichen, dies ein Mal am Abend zutun? Verpasse ich dann wirklich so viel? Mir ist das vor ein paar Tagen schon mal negativ aufgefallen. Ich lief hinter meiner Tochter her und tippte auf das smartphone, völlig fern von dem, was sie grade entdeckt hatte. Auch in diesem Moment wurde mir das sofort bewusst und ich entschied mich, dass die Welt gerade auch ohne mich auskommen kann. Im Laufe des Tages drehte ich den Ton meines smartphones ab, damit ich bei neuen Nachrichten nicht mehr sofort informiert werde.

Medienfreies Zusammensein als Familie ist unschätzbar wichtig
Ohne Handy in der Hand

Selbstverständlich möchte ich das Teil nicht aus meinem Leben verbannen. Ich brauche es täglich um mit meinen Kollegen in Kontakt treten zu können, ich nutze den Austausch mit weit entfernten Freunden und Familienmitgliedern und nehme die Möglichkeit gerne an und wahr. Und gleichzeitig, trotz dessen, dass ich ziemlich busy bin, bin ich mir sicher, dass ich den Konsum noch reduzieren kann und sollte.

Ich liebe meine Arbeit, ich liebe meinen Austausch, aber was ich über alles liebe, sind meine Kinder und unser Zusammensein. Dass sich die Erde weiterdreht und Kollegen auch mal ohne meine sofortige Reaktion klar kommen, fällt mir wie Schuppen von den Augen. Dass meine wundervollen Kinder nur ein mal groß werden und nur ein mal Dinge zum ersten Mal tun oder sagen, ist so wunderbar, dass ich es live miterleben möchte.

Also: smartphone mal zuhause lassen, Laptop aus und Augen auf für das wunderbare Leben, die ungestillte Neugierde und den Reichtum an Phantasie, den uns unsere Kinder tagtäglich lehren!

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