Sind Selbstzweifel berechtigt?

Sind Selbstzweifel berechtigt?

Sie rollt die Augen hinter meinem Rücken und ich tue so, als würde ich es nicht merken.
Ein deutliches Stechen in meinem Bauch holt mir den Schmerz ins Bewusstsein, den ich abgrundtief hasse.

Mein Lachen zuvor war laut, wild, glücklich, mit weit geöffnetem Mund, den Kopf in den Nacken gelegt und aus dem tiefstem Herzen heraus!

Und jetzt steht sie da und rollt ihre Augen, während die Anderen sich von meiner Lache heiter anstecken lassen. Was für ein schöner Abend, dachte ich mir. Kurz vorher.

Und dann dieses fieses Gefühl in der Mitte meines Körpers, welches ich am liebsten sofort aus mir herausholen und aus dem Fenster schmeißen würde.

Ich weiß instinktiv, dass unsere Chemie noch nie zusammengepasst hat und nur weil sie eine von vielen Partygästen an diesem Novemberabend ist, muss ich mich ja nicht mit ihr verstehen.

Meine Taktik, Konflikten aus dem Weg zu gehen lautet: Blickkontakt meiden, auffällig ignorieren, dancen bis zum umfallen, die Musik genießen, die Shisha einatmen und mich in trance fallen lassen, während ich heimlich meine große Liebe beobachte.

Sind Selbstzweifel berechtigt?Doch plötzlich, als ihre Abneigung zu offensichtlich wird, durchbricht sie meine Aura und zielt mit ihrer hochnäsigen Art mitten in die tiefe Wunde der Ablehnung.

Unwillkürlich stellt sie einen Trigger dar, der mir bekannt vorkommt und auf den ich sehr gerne verzichten würde.

Ist mein Lachen wirklich zu laut? Stelle ich mich zu sehr in den Mittelpunkt? Lachen die Anderen vielleicht nur, weil sie mich so dämlich finden?

Was, wenn ich die Witzfigur des Abends bin und nichts davon weiß? Sind meine großen Zähne vielleicht das Problem? Und überhaupt, wie reagiert meine heimliche Liebe auf mich?

Kann mich bitte irgendjemand retten und in mein Märchenschloss voller Glitzer und rosa Herzchen bringen?

Ich fange mich, auch wenn es schwer ist. Schwinge meinen Körper weiter zur Musik, während ich die Gesichter meiner Mittänzer beginne zu analysieren und meinen Blick so unauffällig wie möglich auf die Person richte, bei der mein Herz sofort steil Richtung Keller rutscht.

Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und lege meinen Körper in die Arme meiner Freundin, die von meiner Unsicherheit nichts zu spüren scheint. Könnte auch am Alkohol liegen…

Ich muss einfach nochmal zu ihr hinschauen, zu dieser Person mit dem arroganten Blick und öffne meine Augen einen kleinen Spalt breit.

Sie scheint sich anderen Dingen gewidmet zu haben. Puh! Erleichterung macht sich breit und lässt meinen Körper wieder mit dem Rhythmus der Musik verschmelzen…

Diese wahre Geschichte stammt aus dem Jahr 2008 und fand in Peters damaliger Bude statt, die beinahe wöchentlich für Partys zur Verfügung stand.

Mit dem augenrollenden Mädel habe ich bis heute nicht über diese Situation gesprochen.
Die heimliche Liebe war kein Minderer als Peter, mein Ehemann.

Liebe meines Lebens. Mit allen Macken, Kanten, Ecken und Eigenheiten, die ich vielleicht niemals ganz verstehen werde. Mit allen liebenswürdigen Eigenschaften, dem anziehenden Lächeln, dem unfassbar guten Klamottenstil, dem unübertreffbaren sexy Blick bei Ziehen an einer Shisha. Hach…

Ich schweife ab.

Liebesbrief Ende!

 

Gut 13 Jahre später hocke ich im Wohnzimmer, tippe meine Erinnerungen in den Laptop und höre dabei Musik bei Youtube.

Damals habe ich nicht verstanden, dass das Verhalten der jungen Frau viel mehr mit ihr zu tun hat als mit mir.
Niemals habe ich sie lauthals Lachen gehört, leidenschaftlich tanzen und sich gehen lassen sehen. Und das ist okay!

Sie ist wie sie ist und sie geht ihren Weg damit.

Damals war sie ein Trigger, doch in dieser Situation fand ich ihr Verhalten einfach nur Scheiße, denn ich habe mich geschämt und verunsichert gefühlt.

Heute weiß ich, dass sich viele Menschen von meinem Lachen angezogen fühlen. Ich weiß, dass Menschen mein Feuer lieben, meine kindliche Freude, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme und immer für wilde Sachen zu haben bin.

Heute bin ich mir bewusster denn je, dass nichts an mir falsch ist nur, weil ich mein Umfeld triggere oder ihm auf die Nerven gehe.

Ich bin ich und das ist gut so!

Und jeder, der meinen Kern erkennen kann und mir die Chance gibt, eine aufrichtige Beziehung aufzubauen, der wird in mir eine treue und tiefsinnige Begleiterin erfahren, auf die immer Verlass ist.

Wer angepisst ist von meiner Un-verschämt-heit, sich in der guten alten Schule „der gesellschaftlichen Regeln“ gestört fühlt oder meint mir sagen zu müssen, warum es keinen Grund zur Lebensfreude gibt, der darf mir fern bleiben.

Denn wenn es eine einzige Sache gibt, die ich mit Stolz über mich sagen kann (ja, das darf ich mit Gewissheit tun, denn Eigenlob riecht gut!), dann ist es der feste Platz in meinem Herzen wenn Menschen ihn einmal sicher haben.

Manchmal, da weiß ich gar nicht wohin mit all der Liebe.

Ob ich eher der emotionale Typ bin?

Wie kommst du denn darauf?

Ein Blick auf mein Human Design wird dir verraten, dass Emotionen mein Hab &Gut sind und mich stets zuverlässig durch mein Leben leiten.

Cheers, my friend! Auf unsere Einzigartigkeit und all die Macken, die Anderen auf die Nüsse gehen!

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