Warum Beziehungen zerbrechen und wie sie funktionieren

Der Fahrersitz fühlt sich an wie ein Massagesitz, als ich mit 100 Sachen die Landstraße hinab brettere und ausgelassen zu Sean Paul trällere.

Ich fühle mich wie in einer Achterbahn der positiven Emotionen und bin unsicher, ob ich vor Freude, Dankbarkeit und Demut lieber heulen oder noch lauter und falsch mitsingen soll.

„Alter Falter, ich bin so glücklich!“ beben meine Zellen.

Ja, in diesem Moment, den ich am liebsten in einem Einmachglas konservieren würde, gab es keinen Zweifel an dem, was gerade mein Leben ist.

Rundum glücklich, rundum dankbar, rundum zufrieden.

Das Urvertrauen, von dem so viele Mentoren sprechen, erwärmte mein Herz, obwohl es draußen -10 Grad klirrte.

Bereits am Abend vorher lag ich in Peters Arm und wärmte meinen Körper an seinem, während meine Gedanken mit geschlossenen Augen eine Reise in die Vergangenheit antraten.

Als wäre es gestern gewesen, erinnere ich mich an unser Zusammenkommen, an den ersten Kuss, die ausgiebigen Shisha-Sessions und den ersten positiven Schwangerschaftstest in meiner Hand.

Auch die Zeit davor, als ich nicht genug von seinem Anblick kriegen konnte und an die durchgetanzten Nächte in seiner ersten eigenen Wohnung, hat meine junge Erwachsenenwelt geprägt und bleibt in Dankbarkeit unvergessen.

Oft werden wir gefragt, wie wir unsere Paarbeziehung frisch und unsere Liebe aufrecht erhalten können.

Meine Antwort lautet: Ich habe keine Ahnung, wie es funktioniert! Ich weiß nur, dass Liebe da ist oder nicht und dass Liebe in der Lage ist, Stürme, ja Tornados, auszuhalten und in sanfte Brisen des Wohlbefindens zu verwandeln.

Nein, es gibt kein Patentrezept für eine gelungene Partnerschaft, aber sicherlich einiges, was zum Zerfall dieser führt.

Peter ist der größte Individualist, dem ich je begegnet bin und ich habe Jahre gebraucht, seine Freiheitsbestrebungen nicht mehr persönlich zu nehmen.

Es hat mich tief verletzt, wenn er wieder ausging, mich damals mit den kleinen Kindern alleine zurück ließ und vermeintlich Dinge tat, die mir verwehrt blieben.

Ich weiß nicht, wie viele Male ich den folgenden Spruch heimlich gelesen habe:

Lass ihn frei, wenn er zurück kommt, hast du sein Herz erobert!

Meine Güte, das war so unendlich schwer für mich. Ich wollte so gerne klammern und jemanden an meiner Seite haben, der mich auf Händen trägt.

Doch je stärker ich an ihm zog, desto weiter entfernte er sich von mir.

Mich begleitete eine zermürbende Verlustangst, die mein Leben durch wahre Verluste geprägt hatte.

Einmal saß ich mit meinem kleinen Baby auf dem Boden im Bad und weinte mir die Seele aus dem Leib, weil Peter ausgehen wollte.

Ich ertrug das Gefühl des Verlassenwerdens nicht. Es zerkratzte meine Seele, es machte mir furchtbare Angst.

Es ist beschämend, mich so zu zeigen und ich spüre, dass ich mich als eine sehr lästige Partnerin darstelle, obwohl es selbstverständlich auch Anteile in mir gab und gibt, die nicht nur Peter anzogen und nach wie vor anziehen

Heute, viele Jahre später, kann ich loslassen.

Ich kann ihm eine Deutschlandreise, ganz ohne uns, von Herzen gönnen und freue mich sogar ein bisschen auf die Zeit, wenn ich die Alleinherrschaft über den Haushalt habe.

Ich kann ihn mit liebenden und wohlwollenden Gedanken ziehen lassen.

Ich bin sicher in mir. Ich brauche ihn nicht mehr, um mich gehalten zu fühlen.

Ein großer Knackpunkt dabei ist das Alter unserer Kinder (8,12,14). Sie sind jetzt viel selbständiger und ich bin in meiner Rolle als Mutter selbstsicherer denn je.

Viele Jahre lang habe ich gegeben ohne Ende und vergessen, dass es auch in mir Bedürfnisse gibt, die mir ganz allein gehören.

Diese Haltung, jederzeit für die Kinder verfügbar zu sein, bereue ich keinesfalls!

Was ich heute anders machen würde, ist dafür zu sorgen, mich immer wieder mit mir zu verbinden, um zu spüren, was ich neben der Versorgung der Kinder brauche.

Eine Beziehung wie die unsere zu haben, kann Angst machen!

Wir sind so offen miteinander, so unheimlich vertraut, so authentisch und wahrhaftig!

Wer sich derart verletzlich zeigt, läuft stets Gefahr, vom Partner am wundesten Punkt gepackt und durch die Luft gewirbelt zu werden.

Wie sähe also eine Alternative aus?

Zurückhaltung, Anpassung, Schnauze halten, Streit vermeiden?

Ich glaube, echte Beziehung ist nur dann bereichernd, wenn wir uns im Ganzen zeigen!

Dazu gehören Schattenseiten und fehlerhaftes Verhalten. Dazu gehören Tränen, Ängste, Niederlagen und die Abgründe der Seele, die wir kaum ertragen.

Und andererseits gehört dazu, den Anderen mit allem zu schätzen, was er ist. Ohne romantische Verklärungen, ohne Ziehen und Zurren, ohne Schuldzuweisungen.

Das ist nicht immer einfach und doch stellt es die Grundlage einer Beziehung dar.

Niemand zwingt mich, mit Peter zusammen zu sein. Niemand könnte mich jemals dazu zwingen, außer mir selbst.

Und genau so, wie ich diese Entscheidung täglich revidieren kann, kann ich mich tief und tiefer einlassen, um mich wirklich frei zu fühlen.

Es mag paradox klingen, doch erst dann, wenn wir die Hüllen fallen lassen, ja, auch auf körperlicher Ebene und dem Partner uns zumuten, kann echte Nähe entstehen!

Das gleiche Prinzip gilt auch für Freundschaften. Durch Tiefe entsteht Berührbarkeit.

Wer ein Leben lang an der Oberfläche schwimmt, wird niemals in den Genuss der bezaubernden Unterwasserwelt gelangen.

Nur weil ein Partner oder beide, toxische Charakterzüge haben, ist die Beziehung nicht zum Scheitern verurteilt. Das Wichtigste ist, sich selbst zu erkennen, zu hinterfragen und zu ändern.

Noch einmal: Niemand zwingt dich, mit deinem Partner zusammen zu sein.

Wenn du deinen Partner nicht mehr aushältst, dann hast du immer zwei Möglichkeiten: Du bleibst oder du gehst!

Und wenn du bleibst, gibt es nur einen einzigen Tipp den ich dir geben kann:

Finde dich selbst, damit dein Partner nicht mehr deine Dellen füllen muss.

Es erforderte meinerseits eine Menge Mut, Peter nicht für seinen Freiheitsdrang zu kritisieren, sondern zu schauen, was eigentlich mein Problem ist.

Und es erforderte eine Menge Entgegenkommen und Liebe, mich nicht abzuschießen, obwohl mein Verhalten eher einem Kind als einer erwachsenen Frau glich.

Und genauso andersherum. Aber das werde ich hier nicht auspacken. Das würde in Peters Privatsphäre eindringen.

Und so haben wir alle unsere Macken, unsere beschissenen Konditionierungen und Verhaltensmuster, die für das Umfeld manchmal unaushaltbar scheinen.

Doch was passiert, wenn sich zwei Seelen von Herz zu Herz begegnen und auch nach Jahren immer weiter kennenlernen, ist mit Dankbarkeit nicht zu beschreiben.

Zu lieben ohne festzuhalten, geliebt zu werden und trotzdem fliegen zu können, ist die schönste Art der Beziehung, die meine damalige Vorstellung von Beziehung weit übertroffen hat und für die es keine Worte gibt, außer:

DANKE, dass ich täglich neu den Mut aufbringe, ICH zu sein!

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