Hintergrundbild: Wie du deine Berufung finden kannst

Wie du deine Berufung (nicht) findest!

Am Anfang war die Vision: Ich will frei sein. Keine Lust mehr auf die ganze Großstadt- Kacke!

Drei Kinder im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahre begleiteten mich 24/7 auf Schritt und Tritt und das kleine Baby lebte quasi auf mir. Ich hatte viel zu tun und befand mich im Gegenteil von Unterforderung.

Doch da gab es diesen starken Ruf, dieses neugierige ungeduldige Beben in meinem Bauch. Ich musste etwas verändern!

Egal wie anstrengend es werden würde, es war Zeit, den ersten Schritt zu gehen.

Gesagt, getan! Wohnung zum Flohmarkt umfunktioniert, jedes Wochenende wildfremde Menschen empfangen und jeden Cent in die hauseigene Kasse gepackt.

Wir waren zu dieser Zeit arm für deutsche Verhältnisse. Wir bezogen aufstockendes Hartz 4 und Sparen war deshalb möglich, weil uns jedes Extra egal wurde.

Keine Klamotten für uns Eltern seit Jahren, nur ein Paar Schuhe für jedes Kind, eine Mütze und ein Paar Handschuhe im Winter.

Restaurantbesuche oder Chillen im Cafe´ waren außerhalb unseres Bewusstseins, weil wir es uns eh nur eingeschränkt hätten leisten können.

Unser Geld ging lediglich für Miete, biologisches Essen und das Notwendige drauf.

300€ pro Monat legte ich beiseite, wobei ich immer wieder auf diesen Vorrat zurückgreifen musste.

So ermöglichten wir uns nach vielen Jahren des Träumens endlich ein uraltes Knatterwohnmobil für wenige tausende Euro.

O man, war das aufregend! Nie zuvor hatte ich in einem Womo geschlafen, geschweige denn so einen riesen Oschi vom Fahrersitz aus bewegt.

Ich hatte keine Ahnung von Tuten und Blasen, aber ich hatte ein Warum und dafür war mit keine Mühe zu groß!

Und ab auf die Piste an einem grauen, verregneten Novembertag im Jahre 2016. Ab geht’s, auf in die lang ersehnte Freiheit!

Was war das für ein affentittengeiles Gefühl, als wir die Großstadt verließen und mit sportlichen 70 km/h die Piste Richtung Italien schrubbten!

Ich spüre es heute noch in meinen Zellen. Das war sowas von erhebend, sowas von frei, sowas von „Yes, baby! Wir haben es geschafft“.

Und dann passierte so viel Scheiße mit dem alten Wohnmobil namens Karl- Heinz, dass ich müde bin, dies hier weiter auszuführen (dazu einfach die alten Blogeinträge auf Seite 4225349032 lesen).

Doch nicht nur der alte Herr machte was er wollte, sondern vor allem meine Gefühle.

Wow, mit solchen Herausforderungen hatte ich nicht gerechnet.

F*ck, warum läuft so viel schief auf dieser Reise?

Die Kinder spielten den ganzen Tag lang im Sand, saßen mit unseren alten Nachbarn zusammen um zu quatschen und genossen offensichtlich das Leben, welches beinah zu 100% draußen stattfand.

Doch in mir machte sich nach und nach ein Gefühl tiefer Unsicherheit und Angst breit, denn:

Wir hatten kaum Einnahmen und nach einigen Monaten strich uns die Familienkasse zu 100% das Kindergeld.

Wir waren finanziell am Tiefpunkt angekommen und unsere Existenzängste waren kaum auszuhalten.

Die Reise führte uns zwangsläufig nach Deutschland zurück. Zurück in alte Strukturen, das Hamsterrad und das Alleine sein als Mama, weil mein Mann den ganzen Tag arbeiten war?

Ja, genau so war es.

Doch eine Sache unterschied sich zu damals. Wir wohnten weiterhin im Wohnmobil und glaubten an unseren Traum!

Nichts und niemand konnte uns dazu bringen, unsere Vision von Freiheit zum Platzen zu bringen!

Der Wille war so stark, die Möglichkeiten so eingeschränkt.

Peter verdiente für einen Vollzeitjob 1200€, die Familienkasse war zu keiner Einigung bereit und so lebten wir allein von diesem Geld, inkl. Miete für den Platz auf dem wir standen und dem Abzahlen aufgestauter Schulden durch die Rückfahrt nach Deutschland.

Biologische Lebensmittel waren nur noch eingeschränkt möglich und ich aß so wenig wie möglich, damit meine Kinder immer genügend Nahrung zu sich nehmen konnten.

Das Baby wurde weiterhin gestillt und Mahlzeiten beschränkten sich auf ein Minimum an Auswahl.

Ich konnte den Platz mit den Kindern nur zu Fuß verlassen, weil ich weder Fahrräder für alle, noch Geld für die Straßenbahn hatte.

Peter sah ich effektiv nur an zwei voneinander gekoppelten Tagen- Einzelhandel eben…

Ein Wochenende gab es nicht und ich erinnere mich daran, wie ich Wäsche aufhing und mich über die spielenden Kinder freute.

Nachts lagen wir oft wach, tüftelten an Plänen und verschwendeten keine Lebenszeit damit, uns Gedanken über die Meinung anderer zu machen.

Innerlich waren wir als Paar erfüllt. Wir verstanden uns. Niemand gab dem anderen irgendeine Schuld, denn wir waren gemeinsam angetreten!

Die Schule der Persönlichkeitsentwicklung lief auf Hochtouren, ohne, dass wir es schnallten!

Menschen distanzierten sich von uns, verurteilten unser Handeln und bekundeten Mitleid für unsere Kinder, doch die wenigsten fragten nach.

Wir sind so verdammt gut und schnell darin, unsere Mitmenschen zu verurteilen!

Was sie dachten, war gesetzt und, dem Himmel sei Dank, war meine Welt dermaßen voll von Problemen, dass es mich nicht weiter juckte.

Unsere Kinder genossen die Zeit auf dem Wagenplatz sehr und wir erhielten viel Verständnis von den anderen Bewohnern.

Kritik kam nur aus den eigenen Reihen. Unterstützung leider kaum.

Doch auch diese Prüfung bestanden wir, denn sie zeigte uns eindrücklich, was Unabhängigkeit wirklich bedeutet. Dabei sei zu erwähnen, dass ich ein großer Fan davon bin, um Hilfe zu bitten, wenn es um alltägliche Dinge geht.

Weiter im Text: Das Jahr 2017 schritt dahin und wir standen seit Monaten am selben beschissenen Punkt.

Unsere Kinder gediehen prächtig und waren klein genug, um nicht nach Extras zu fragen. Sie waren einfach zufrieden.

Unser Traum nach einer Arbeit, die wir ortsunabhängig erledigen könnten, wurde immer größer und die Stimmen unserer Herzen schrien danach weiterzugehen!

Es sollten noch anderthalb wackelige, emotional heftige Jahre folgen, bevor wir endlich den ersten Online Job erhielten.

Wir arbeiteten für die Riesen der Online Szene im Bereich Marketing, Strategie und Kundenbetreuung und lernten so unfassbar viel, obwohl niemals eine zertifizierte Ausbildung wahrgenommen hatten.

Alles, womit wir dienen konnten, war unser intrinsischer Antrieb und gottgegebene Fähigkeiten, die uns zu hoch motivierten Mitarbeitern machten und den Auftraggebern allesamt viele Lächeln ins Gesicht zauberten.

Bereits in diesen Lehrjahren spürten Peter und ich unsere Neigungen. Mir fiel der Austausch mit Kunden extrem leicht und ich liebte es, Emails zu formulieren, gestresste Menschen dort abzuholen wo sie mich brauchten und das „Aushängeschild“ der Firma zu sein.

Die Arbeit war leicht und neben drei Kindern zeitlich flexibel.

Auch Peter begegnete einem menschlichen Engel, der in ihm mehr sah, als wir beide zu dieser Zeit.

Er lernte von den Besten der Besten alles über Online Marketing und folgte seiner Berufung: Für Probleme Lösungen zu finden.

„Berufung“ war zu dieser Zeit jedoch ein Wort, welches definitiv nicht in unserem Wortschatz wohnte.

Wir waren einfach nur zutiefst dankbar für das ortsunabhängige arbeiten und sehr anspruchslos.

Einige Stationen der Entfaltung sollten folgen und ich durfte zum ersten Mal für eine Firma Newsletter schreiben. Ich wurde einfach gefragt. Niemals habe ich mich aktiv bei irgendjemandem beworben.

Zu gut erinnere ich mich an die Worte meiner Auftraggeberin:“ Katharina, du drückst Dinge aus, die ich mich niemals gewagt hätte, aber die ganz tief in mir drin sind!“

Dass dies ein fettes Kompliment gewesen ist, wusste ich damals vom Verstand her, aber ich konnte es nicht fühlen!

Meine Wahrnehmung war derart verschoben, dass ich der Meinung war, all die Fähigkeiten die man mir zuschrieb seien stinknormal.

Ich glaubte nicht an meine Einzigartigkeit, geschweige denn daran, dass ich eine Aufgabe hätte in diesem Leben!

Mein Horizont war dermaßen begrenzt, weil ich mich jahrelang im Survivalmodus befand.

Zudem konnte ich mir nicht eingestehen, dass ich in Dingen begabt war, denn ich war unsicher, ob man nicht ein Zertifikat für gutes Können benötigte, um in der Arbeitswelt bestehen zu können.

Und dann war da noch mein Job als Mama, in dem ich glücklich war. Manchmal dachte ich, nichts anderes mehr machen zu wollen, doch wenn ich ehrlich war, sehnte ich mich nach mehr.

Peter ging es ähnlich. Er hatte zwar eine abgeschlossene Ausbildung im petto, doch keinesfalls im Bereich „Online Business“.

Glaubenssätze, Limitierungen und festgefahrene Gehirnwindungen erschwerten uns das Abnabeln der Welt aus der wir kamen – der Arbeitnehmer, nicht der Selbständigen!

Doch wir machten weiter. Es gab einen inneren Antrieb und das war die Sehnsucht nach echter Freiheit!

Die Schlussfolgerung nach drei Jahren „Lehre“ war die Gründung unserer eigenen Agentur „Aurelia, Marketing mir Herz“. Dort wollten wir all das reingeben und rauslassen, was wir durch die Stationen der letzten Jahre mitnehmen durften.

Und es funktionierte! Wir erhielten genügend Kunden, um von den Einnahmen leben zu können.

Nicht ein einziges Mal in dieser Zeit mussten wir Werbung schalten, denn Mundpropaganda war unser Ticket ins den Erfolg.

Wir veranstalteten Workshops und versuchten aus dem „Zeit gegen Geld Ding“ rauszukommen, was uns nicht gelang.

Zu sehr war unsere Arbeitszeit mit den Wünschen des Kunden verbunden und unser Selbstvertrauen zu klein, um Projektpreise abzurufen.

Sowieso verkauften wir uns unter Wert!

Die Unzufriedenheit wuchs, denn im Grunde hatten wir uns unser eigenes kleines Königreich erbaut, in dem wir Sklaven unserer Schöpfung wurden.

Wir hatten so sehr die Schnauze voll. Es musste sich etwas ändern und zwar Pronto!

Zudem spürte ich oft eine innere Leere und Lustlosigkeit, denn die Tatsache dessen, dass ich meinen Wert nicht hoch genug definierte und die Unternehmen anderer Menschen aufbaute, statt meinem eigenen, machte mich zunehmend richtig unzufrieden!

Ich wollte mehr! Abermals! Ohne „Wenn und Aber“!

Und dafür war ich bereit zu springen, ins eiskalte Wasser wenn nötig.

Das eiskalte Wasser spürte ich genau in dem Moment, als ich zum ersten Mal ein Interview für das „Frei als Familie Festival“ im Jahre 2022 aufnahm.

Puh, das war heftig aufregend und ganz anders als selbst vor der Kamera zu stehen, denn diesen Schritt hatte ich bereits Jahre zuvor überwunden.

Doch, obwohl ich mich außerhalb der Komfortzone bewegte, spürte ich eine Sicherheit in mir, die keinen Antrieb von außen benötigte.

Ich fühlte mich wohl, energiegeladen und am richtigen Fleck und das ist bis heute so geblieben!

Frei als Familie verkörpert alles was ich bin. Und alles, was Peter ist.

Wir haben, entgegen der Meinungen anderer, mutige Entscheidungen getroffen und getan, was unser Herz gerufen hat:

All unsere Fähigkeiten unter einem Dach zu leben. Und dieses Dach ist Frei als Familie!

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Mit dicken schwarzen Bluetooth Kopfhörern laufe ich die Leipziger Hauptstraße entlang und vernehme eine Mischung aus dem Parfum fremder Menschen, Hundepisse und den frischen Äpfeln des Gemüsehändlers. Die Sonne hat sich endlich mal wieder blicken lassen und sofort merke ich, wie krass mich das Wetter beeinflusst. Nächste Woche geht es zurück nach Italien und das ist gut so. Der lange deutsche Herbst macht meine Nerven kaputt und auch nach über dreißig Jahren stehe ich weder auf kalte Füße im Bett, noch auf dreitausend Schichten Kleidung, die meine Kinder nur allzu oft anregt aufs Klo zu müssen wenn wir gerade losfahren…

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